Ein Körper für sich allein

Mit meiner Arbeit möchte ich Frauen helfen, ganz in ihre Kraft zu finden, sich und ihrer Intuition voll zu vertrauen und gut für sich zu sorgen, damit sie sich entfalten und ihr Leben genauso leben, wie sie es wollen.

Ich komme aus einer Familie, in der Frauen für sich gekämpft haben. Meine beiden Großmütter haben studiert und waren berufstätig. Ihre Töchter haben sich aus religiöser und familiärer Enge befreit, um eigene Wege zu gehen. Unabhängig zu sein war ein wichtiger Wert, der über Generationen weitergegeben wurde. Was dabei leider weniger Platz hatte, war der Genuss am eigenen Tun. Und so habe ich die Frauen in meiner Familie auch als verbittert, frustriert oder überarbeitet erlebt. Sie hatten gelernt, dass es wichtiger war, ein Bild aufrechtzuerhalten, als gut für sich zu sorgen. Selbstverständlich taten sie alles für andere, während für sie selbst galt: weniger ist mehr!

Es war kein einfacher Weg, mich aus diesen Verstrickungen zu lösen und mir zu erlauben, beides zu wollen: Unabhängigkeit und Genuss! Nachdem ich jahrelang versucht hatte, meine Lebendigkeit mit einer Essstörung zu disziplinieren, habe ich heute über meinen Körper einen Weg zu mehr von beidem gefunden: Je mehr Bewegungsfreiheit ich mir zurückeroberte und je mehr ich meinen Körper als kraftvoll erlebte, desto mehr Freiheit und Energie bekam ich, das zu tun, was ich wollte, und es so zu tun, wie ich es wollte. Immer auch in Auseinandersetzung mit meiner Umgebung. Wir können ja nicht heimlich frei sein!

In meiner Arbeit mit Frauen ist mir in den letzten Jahren deutlich geworden, dass viele Frauen in ähnlichen Verstrickungen feststecken. Wir lernen sehr gut, flexibel zu sein und uns anzupassen, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen und unser Handeln danach auszurichten. Gleichzeitig lernen Frauen die eigenen Bedürfnisse und Interessen zurückzustellen, eigene Wünsche zu übergehen und stattdessen (unnötige) Kompromisse zu machen!

Warum ist das ein Problem? Wenn wir dem folgen wollen, was uns am Herzen liegt und umsetzen möchten, was uns unter den Nägeln brennt, dann ist es notwendig, Grenzen zu setzen, einen eigenen Standpunkt zu formulieren, Distanz auszuhalten, sowie Konflikte einzugehen. Hier steht Frauen ihre Anpassungsfähigkeit oft im Weg. Worum es geht, ist zu lernen, beides in eine kreative Beziehung zu setzen und bewusst einsetzen zu können. Und das gelingt, wenn wir für uns sorgen und uns wertschätzen.

Um unser Leben kreativ gestalten zu können, müssen wir uns aus verinnerlichten Mustern lösen (du sollst, du darfst nicht, du musst…) und Halt in uns selbst finden. Hierfür brauchen wir einen eigenen Raum. Mit meiner Arbeit möchte ich Frauen einen sicheren und offenen Trainingsraum geben, in dem sie lernen können, ihrem Körper zu vertrauen, als dem zentralen Ort, den jede Frau besitzt und von dem ausgehend sie gestalten kann.

Ein gutes Gefühl für den eigenen Körper zu haben, sich fit und lebendig zu fühlen, ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, sich als eigenständig und handlungsfähig zu erleben. Denn Körperwahrnehmung bedeutet nicht einfach nur mehr Energie und ein gesteigertes Wohlbefinden. Sie beinhaltet auch ganz konkret zu spüren, was brauche ich! Sich selbst wahrzunehmen bedeutet immer auch Verantwortung zu tragen für die eigenen Empfindungen, Gefühle, Visionen und Träume.

Die Selbstbestimmung über unseren Körper wird uns bis heute nicht selbstverständlich gegeben. Und es erfordert viel Kraft, sich von (verinnerlichten) gesellschaftlichen Normen und Erwartungen zu lösen. Oft erscheint uns unser Körper als derjenige, der die Probleme erst hervor bringt. Wir finden wichtiger, wie wir aussehen, als dass wir uns in unserer eigenen Haut wohlfühlen.

Wenn Frauen ihren Körper mit all seinen Potentialen – emotionalen wie rationalen – verfügbar haben, dann habe sie all ihre Kraft und können etwas bewegen! So können wir Wegbereiterinnen sein, die unsere Gesellschaft heute braucht. Frauen bringen alle Ressourcen für Innovationen mit – sie zu entwickeln und sie nutzbar zu machen, das ist unsere Herausforderung.